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Galerie Förderpreise 2017
Internationaler
Stefan-Heym-Preis
der Stadt Chemnitz
INTERNATIONALER STEFAN-HEYM-PREIS DER STADT CHEMNITZ

Der Internationale Stefan-Heym-Preis

wird seit 2008 in ehrendem Gedenken an Stefan Heym, den Sohn und Ehrenbürger der Stadt Chemnitz, verliehen. Die Ehrung soll alle drei Jahre herausragenden Autoren und Publizisten zuerkannt werden, die sich wie Stefan Heym in ihrem Wirken als Persönlichkeiten erwiesen haben, die sich in gesellschaftliche wie politische Debatten einmischen, um für moralische Werte zu streiten.

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Zum Kuratorium, das über die Vergabe des Preises entscheidet, gehören die Oberbürgermeisterin der Stadt Chemnitz, die Präsidentin des P.E.N. Zentrums Deutschland, der Präsident des Goethe-Institutes, der Leiter des C. Bertelsmann Verlages, der Vorsitzende der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) – Deutsche Sektion, die Vorsitzende der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft e.V., Prof. Dr. Bernadette Malinowski als Inhaberin des Lehrstuhls für Neuere und Vergleichende Literaturwissenschaft an der TU Chemnitz und zwei Stadträte des Kulturausschusses der Stadt Chemnitz.

 

+ Satzung der Stadt Chemnitz über die Verleihung des Internationalen Stefan-Heym-Preises der Stadt Chemnitz

Veranstaltungen

Die Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft e. V. organisiert Lesungen und Veranstaltungen zum Wirken und Schaffen von Stefan Heym.

+ Programm

 

Die Preisträger

Der Internationale Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz geht im 2020 an die Publizisten und Schriftsteller Slavenka Drakulić und Richard Swartz

Slavenka Drakulić, 14. 11. 2016, CC BY 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.de
Slavenka Drakulić, 14. 11. 2016, CC BY 3.0, https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.de
Richard Swartz, 2015 Foto: Paul Zsolnay Verlag
Richard Swartz, 2015 Foto: Paul Zsolnay Verlag

 

Der Internationale Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz wird 2020 an die kroatische Schriftstellerin und Journalistin Slavenka Drakulić und den schwedischen Autor und Journalisten Richard Swartz verliehen. Das Kuratorium zur Vergabe des Internationalen Stefan-Heym-Preises würdigt mit der Auszeichnung das langjährige literarische und publizistische Schaffen des verheirateten Autorenpaares. Die Entscheidung des Kuratoriums gab Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig am 12. November 2019 bekannt. Die Verleihung des mit 20.000 Euro dotierten Literaturpreises wird am 3. April 2020, traditionell im Umfeld des Geburtstages von Stefan Heym (10. April 1913), stattfinden.

 

„Stefan Heym hat das kulturelle und geistige Erbe unserer Stadt geprägt. Er galt als Querdenker, zuweilen auch als Querulant. Nichts nahm er als gegeben hin. Im Gegenteil: er suchte den Diskurs. Er (hinter)fragte, legte den Finger in die Wunde, um in den Köpfen der Menschen, in der Gesellschaft ein Nachdenken, Mitdenken und auch Umdenken anzustoßen. „Opening minds“, das Credo unserer Kulturhauptstadtbewerbung, hat er gelebt und verkörpert. Slavenka Drakulić und Richard Swartz sind zwei Publizisten und Schriftsteller, die es ihm gleich tun, die genau wie Stefan Heym mit ihrer analytischen Schärfe überzeugen und sich in ihren Werken mit den großen europäischen Fragen beschäftigen.“

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig

 

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Slavenka Drakulić und Richard Swartz sind im besten Sinne des Wortes europäische Stimmen, sie beschäftigen sich mit den großen europäischen Fragen, die am Beispiel individueller Schicksale erörtert werden. Krieg und Frieden, Demokratie, Diktatur, Kriegsverbrechen und Verantwortung, Gleichberechtigung und Gerechtigkeit: Als Chronisten zeichnen sie sich aus durch ihre scharfsinnige literarische Betrachtung von Geschichte und Gegenwart, die gleichermaßen brillant und poetisch unbestechliche Wahrheiten vermittelt.

Mit der Verleihung des Internationalen Stefan-Heym-Preises 2020 an Slavenka Drakulić und Richard Swartz würdigt das Kuratorium zwei Publizisten und Schriftsteller, deren Schaffen schonungsloser Aufklärung dient, dabei jedoch dem Publikum die Aufgabe zuerkennt, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Ihr Werk wendet sich konsequent gegen kollektives Vergessen und setzt damit ein deutliches Zeichen für interkulturelle Verständigung und Versöhnung.

 

„Es ist vorbildlich, wie die Stadt Chemnitz das Vermächtnis Stefan Heyms ehrt und wahrt und für die Gegenwart produktiv macht. Mit Slavenka Drakulić und Richard Swartz werden wiederum zwei Autoren ausgezeichnet, die sich auf ihre je eigene Weise mit europäischen Themen sowie grundsätzlich dem Verhältnis des einzelnen Menschen zur jeweiligen Gesellschaft auseinandergesetzt haben. Während dies bei Swartz, ganz im Sinne Heyms, durchaus auch auf amüsante Weise geschieht, hat sich Drakulić in ihren Reportagen und Romanen an beklemmende Themen gewagt, die oft verdrängt und ignoriert werden. Ihr Roman ‚Als gäbe es mich nicht‘ über die systematischen Vergewaltigungen, hier durch serbische Soldaten, im Jugoslawien-Krieg ist der beklemmendste Antikriegsroman, den ich kenne.“

Regula Venske, Präsidentin des PEN-Zentrums Deutschland und Mitglied des Kuratoriums zur Verleihung des Internationalen Stefan-Heym-Preises

 

„Beide Autoren verbinden literarisches Erzählen mit journalistischem Schreiben und mischen sich mit ihrer Arbeit in aktuelle Debatten unserer Zeit ein. Eine Kroatin und ein Schwede, eine Ost-West-Beziehung quasi gelebte europäische Integration. Sie verbinden literarische Klasse mit gesellschaftspolitischer Verantwortung, eine hervorragende Wahl!“

Dr. Ulrike Uhlig, Vorstandsvorsitzende der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft e. V. und Mitglied des Kuratoriums zur Verleihung des Internationalen Stefan-Heym-Preises

 

Die Autoren

Die kroatische Schriftstellerin und Journalistin Slavenka Drakulić, Jahrgang 1949, wurde bekannt mit ihren Romanen „Das Prinzip Sehnsucht“ (1989), „Das Liebesopfer“ (1997), „Marmorhaut“ (1998), „Als gäbe es mich nicht“ (1999), „Frida“ (2007), „Dora und der Minotaurus“ (2016) oder „Mileva Einstein und die Theorie der Einsamkeit“ (2018).

Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht immer wieder die Rolle der Frau in der Gesellschaft und in der Geschlechterbeziehung – ein Thema, das nicht an Aktualität verloren hat und zu den bestimmenden Diskursen der Gegenwart gehört. Vielfach verortet sie diese Fragen in Biografien berühmter Frauen. Oft aber bildet auch der Krieg die grausame Kulisse für die Verhandlung universeller Fragen. Slavenca Drakulić erhielt 2005 den Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung für ihr Buch „Keiner war dabei. Kriegsverbrechen auf dem Balkan vor Gericht.“

Richard Swartz, Jahrgang 1945, ist ein international bekannter schwedischer Schriftsteller und Journalist, der für eine Reihe namhafter Zeitungen tätig war. Sowohl in seinen Reportagen und Berichten wie auch in seinen Romanen – u. a. „Room Service“ (1996), „Notlügen“ (1998), „Ein Haus in Istrien“ (1999), „Adressbuch“ (2005), „Der andere nebenan“ (2007), „Austern in Prag“ (2019) – spiegelt sich das geistige und politische Leben West- und Osteuropas. Immer geht es in seiner schriftstellerischen Arbeit um den einzelnen Menschen und seine Beziehung zur Gesellschaft. Er sieht, wie Stefan Heym, die Aufgabe der Literatur darin, die Menschen bei der Suche nach Antworten im gegenwärtigen Leben zu begleiten.

„Leben heißt an etwas glauben.“

Stefan Heym

Bisherige Preisträger

Der Internationale Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz wurde bisher an nachfolgende Persönlichkeiten verliehen. Für mehr Informationen klicken Sie bitte auf den entsprechenden Preisträger:

+ Preisträger 2017: Joanna Bator

Der Internationale Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz wurde mit einem Festakt am 4. April 2017 im Chemnitzer Schauspielhaus an die polnische Schriftstellerin und Publizistin Joanna Bator verliehen. Die Entscheidung des Kuratoriums zur Vergabe der Auszeichnung gab Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig im Oktober 2016 bekannt. Die Verleihung des mit 20.000 Euro dotierten Literaturpreises fand traditionell wieder im Umfeld des Geburtstages von Stefan Heym statt. Unter anderem nahmen an der Verleihung die Chemnitzer Ehrenbürger Christoph Magirius und Siegmund Rotstein, Abgeordnete des Bundes- und Landtages, die Vorstandsvorsitzende der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft, Dr. Ulrike Uhlig, sowie Mitglieder des Kuratoriums zur Verleihung des Internationalen Stefan-Heym-Preises teil.

„Die Themen, mit denen Sie sich beschäftigen, berühren in ihrer Substanz die gesellschaftlichen Debatten, denen wir täglich begegnen – eine offensichtliche Parallele zum Werk Stefan Heyms. Und genau wie er machen Sie es dem Leser nicht so leicht, sich selbst auf eine Seite zu stellen, sondern fordern ihn heraus. In Ihren Büchern geht es um Fragen, die keine einfachen Antworten kennen: Heimat, Identität, Zugehörigkeit, Ausgrenzung – wie verändern sich Menschen, wie verändern sich Gesellschaften, wenn sie sich verändern müssen?“

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig in ihrer Begrüßungsrede an die Preisträgerin gerichtet.

Preisträgerin Joanna Bator bei ihrer Rede, Foto: Peter Zschage
Preisträgerin Joanna Bator bei ihrer Rede, Foto: Peter Zschage
Preisträgerin und Oberbürgermeisterin zur Preisverleihung, Foto: Peter Zschage
Preisträgerin und Oberbürgermeisterin zur Preisverleihung, Foto: Peter Zschage
Marta Kijowska hielt die Laudatio, Foto: Peter Zschage
Marta Kijowska hielt die Laudatio, Foto: Peter Zschage

Die Autorin

Joanna Bator, Foto: K. Lukas
Joanna Bator, Foto: K. Lukas

Joanna Bator, Jahrgang 1968, gilt als eine herausragende Stimme der zeitgenössischen europäischen Literatur. Mit ihren ebenso eigenwillig wie kunstvoll und feinsinnig erzählten Texten greift sie leise, aber entschieden aktuelle gesellschaftliche Fragen und Phänomene auf, und lotet sie in ihren historischen Tiefendimensionen aus. Ihr jüngster Roman „ Dunkel, fast Nacht“ zeigt, wie Hass eine Gesellschaft zerstören, wie schnell der Firnis menschlicher Moral reißen kann, wenn Menschen mit Veränderung konfrontiert sind.

Für diesen Roman erhielt Joanna Bator 2013 die Nike, den wichtigsten polnischen Literaturpreis. 2016 stand die Autorin für das Werk auf der Shortlist des Internationalen Literaturpreises – Haus der Kulturen der Welt 2016. Zuvor veröffentlichte sie die Romane „ Sandberg“ (2011) und „ Wolkenfern“ (2013) sowie zahlreiche Essays und Artikel.

Joanna Bator ist Trägerin des Spycher: Literaturpreises Leuk 2014. Sie war im Wintersemester 2014/15 Inhaberin der Friedrich-Dürrenmatt-Gastprofessur für Weltliteratur in Bern. 2015 lebte und arbeitete Joanna Bator für zwölf Monate als Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD in Berlin. Die promovierte Philosophin ist Autorin und Hochschuldozentin, lehrte unter anderem in Warschau, New York, London und Tokio. In Japan verbrachte sie vier Jahre. Ihr Zuhause ist in Polen.

„So etwas wie „den Schriftsteller“ gibt es eigentlich nicht. Verschiedene Autoren wollen verschiedene Dinge, und es ist ganz natürlich, dass nicht jeder, der ein Buch schreibt, das gleiche Ziel verfolgt. Einige von uns, wie Nabokov, glauben, dass die ästhetische Freiheit das einzige Prinzip ist, dem es zu folgen gilt. Andere, wie Orwell, dringen darauf, dass direkte politische Einmischung entscheidend ist. Ich neige zu Ersterem. In Zeiten wie den heutigen aber ist jeder, wir Schriftsteller eingeschlossen, dazu gezwungen, die Spannung zwischen seinem Privatleben, seinen Fragen und Zweifeln, und der Öffentlichkeit, die eine ganz andere Sprache und Lösungsansätze braucht, neu zu definieren. Vor wenigen Wochen etwa, als ich an den „Black-Protest“-Demonstrationen in Warschau teilnahm, bei denen Frauen für ihre Rechte eintraten, war ich sicher, dass ich an der richtigen Stelle war. Es war wichtig, private Projekten hintenanzustellen, um sich gegen eine Gefahr zu positionieren, die der Gesellschaft als Ganzes drohte. Ich glaube fest daran, dass ich als Autorin das Leben vieler Menschen, meiner Zeitgenossen, nur dann tatsächlich beeinflussen kann, wenn ich die richtigen Bücher zur genau richtigen Zeit schreibe.“

Joanna Bator

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+ Preisträger 2013: Christoph Hein

Der Internationale Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz wurde am 10. April 2013, Stefan Heyms 100. Geburtstag, an Christoph Hein verliehen. Der Preisträger nahm den mit 40.000 Euro dotierten Preis vor etwa 350 Gästen im Schauspielhaus Chemnitz persönlich entgegen. Neben Inge Heym nahm unter anderem auch der vormalige Träger des Stefan-Heym-Preises, Bora Ćosić, an der Verleihung teil, ebenso die Chemnitzer Ehrenbürger Christoph Magirius und Siegmund Rotstein.

„Mit dem Internationalen Stefan-Heym-Preis ehren wir Leben und Schaffen eines großen Sohnes unserer Stadt. Er hat das vorgelebt, was dieser Preis würdigt: sich mit der Macht des freien Wortes gegen Unrecht einsetzen. Dafür steht auch der diesjährige Preisträger Christoph Hein. Dessen Werk diskutiert auf literarisch herausragendem Niveau die Möglichkeiten und Grenzen des Einzelnen, sich mit gesellschaftlichen Missständen auseinanderzusetzen. In der DDR und später im wieder vereinigten Deutschland hat er sich für das freie und meinungsstarke Wort engagiert. Heym und Hein erinnern uns daran, den Gebrauch unserer so selbstverständlichen Grund- und Freiheitsrechte nicht zu verlernen.“

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, Foto: Kristin Schmidt
Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, Foto: Kristin Schmidt
Christoph Hein bei seiner Dankesrede, Foto: Kristin Schmidt
Christoph Hein bei seiner Dankesrede, Foto: Kristin Schmidt
Ingo Schulze hielt die Laudatio, Foto: Kristin Schmidt
Ingo Schulze hielt die Laudatio, Foto: Kristin Schmidt

Der Autor

Christoph Hein, geboren am 8. April 1944, zählt zu den profiliertesten Autoren der Gegenwart. Sein literarisches Werk umfasst Romane, Essays, Erzählungen, Theaterstücke, Lyrik und Kinderbücher. International bekannt wurde er 1982 durch die Novelle „Der fremde Freund“ (1983 in der Bundesrepublik unter dem Titel „Drachenblut“ erschienen). Zu seinen berühmtesten Romanen gehören „Der Tangospieler“ (1988) oder „Willenbrock“ (2000), der von Andreas Dresen verfilmt wurde. Sein jüngstes Werk ist „Weiskerns Nachlass“ (2011). 1998 wurde Christoph Hein zum ersten Präsidenten des wiedervereinigten P.E.N.-Zentrums gewählt. Außerdem fungierte er bis 2006 als Mitherausgeber des „Freitag“.

Christoph Hein nach der Preisverleihung, Foto: Kristin Schmidt

Geboren wurde Christoph Hein im schlesischen Heizendorf, aufgewachsen ist er in Bad Düben. 1960 siedelte er, um als Pfarrerssohn Abitur machen zu können, nach West-Berlin über. Vor seinem Studium der Logik und Philosophie in Leipzig und Berlin (1967 bis 1970) verdiente Hein seinen Lebensunterhalt als Montagearbeiter, Buchhändler und Regieassistent bei Benno Besson am Deutschen Theater und der Volksbühne. Nach dem Studium kehrte er als Dramaturg an die Volksbühne zurück, wo er ab 1973 neben Heiner Müller als Hausregisseur engagiert war. Seit 1979 ist Christoph Hein freischaffender Schriftsteller. Auch als Mitglied des P.E.N.-Zentrums der DDR mischte er sich kritisch in Debatten ein, protestierte beispielsweise auf dem X. Schriftstellerkongress 1987 gegen die Zensur oder zwei Jahre später gegen die Verhaftung Václav Havels. Am 4. November 1989 zählte Christoph Hein zu den Rednern der Demonstration der Kulturschaffenden auf dem Berliner Alexanderplatz.

Christoph Hein ist vielfach preisgekrönt, zuletzt mit dem Uwe-Johnson-Preis (2012), dem Eichendorff-Literaturpreis (2010) oder dem Walter-Hasenclever-Literaturpreis (2008). Außerdem ist er Träger des Bundesverdienstkreuzes (1994).

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+ Preisträger 2011: Bora Ćosić

Der Internationale Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz wurde im Rahmen der Internationalen Stefan-Heym-Konferenz am 1. Juli 2011 an den Schriftsteller und Publizisten Bora Ćosić vergeben. Bora Ćosić nahm den mit 40.000 Euro dotierten Preis persönlich zum Festakt in der Stadthalle Chemnitz entgegen.

„Stefan Heym ist ein großer Sohn unserer Stadt. Die Ansprüche an den Träger des Stefan-Heym-Preises müssen ihm gerecht werden. Die Jury leistet mit ihrer Aufgabe Interpretationsarbeit: Wie begegnet uns Stefan Heym heute? Und wie soll er uns begegnen? Die Entscheidung für Bora Ćosić beantwortet diese Fragen und ehrt den Preisträger ebenso wie den Preis selbst und den Namensstifter. Ćosić scheut den schmalen Grat zwischen Kunst und Politik nicht, übt offen Kritik und lehrt uns, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen."

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig

Bora Ćosić mit Laudator Fritz Pleitgen und Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, Foto: Laszlo Farkas

Die Laudatio auf Bora Ćosić hielt der langjährige WDR-Intendant und frühere Vorsitzende der ARD, Fritz Pleitgen, der zugleich Schirmherr der ersten Konferenz der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft ist. „Stefan Heym wäre mit dem diesjährigen Preisträger höchst einverstanden gewesen“, so Fritz Pleitgen. „Bora Ćosić ist ein Schriftsteller, der sich mit unserer Zeit auseinandersetzt, der Türen aufstößt, der aus engem Denken herausführt, der neue, überraschende Blickwinkel eröffnet, der all dies mit Esprit und feinem oder – wenn nötig – bösen Witz brillant zu formulieren versteht, der vor allem niemals für ein bequemes Leben sein Recht veräußern würde, zu sagen und zu schreiben, was er denkt und fühlt; mögen dafür noch so unangenehme Repressalien drohen oder verhängt werden. Das sind die Grundeigenschaften, die Bora Ćosić mit Stefan Heym verbinden."


Der Festakt fand eine musikalische Umrahmung mit Beethoven und Mahler, den musikalischen Präferenzen von Stefan Heym und Bora Ćosić. Innerhalb der Veranstaltung trug sich Bora Ćosić außerdem in das Goldene Buch der Stadt Chemnitz ein.

Der Autor

Ćosić, 1932 in Zagreb geboren, lebte bis zu seiner Emigration 55 Jahre in Belgrad und seit 1992 im deutschen Exil in Berlin sowie in Rovinj (Kroatien).

Mit der Vergabe des Internationalen Stefan-Heym-Preises der Stadt Chemnitz an Bora Ćosić hat sich die Jury für einen großen Erzähler, Satiriker und auch Kritiker Süd-Ost-Europas entschieden. Ćosić steht in der Tradition der serbischen Avantgarde der 60er und 70er Jahre und hat über 30 Werke publiziert. Zu den bekanntesten gehören der preisgekrönte Roman „Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution“, ein schon Ende der 60er Jahre entstandener Roman über die Vorhersage des Untergangs Jugoslawiens aus der Perspektive eines Kindes, „Das Land Null“ und "Die Reise nach Alaska ". Mit der Entscheidung würdigt das Kuratorium auch die aufklärende Rolle von Ćosić als einem politischen Schriftsteller.

Bora Ćosić zur Preisverleihung, Foto: Laszlo Farkas

„Ich habe schon vor langer Zeit aufgehört, die Verhältnisse im Osten und im Westen streng zu trennen. Dabei hilft mir heute der Dichter Adonis, der sagt, es gebe in jedem Westen mehrere Westen und in jedem Osten mehrere Osten. Sagen wir Osten und Westen, vereinfachen wir die Dinge. Wir können sagen, dass es im Westen Osten gibt, die viel östlicher sind als der Osten, so wie es im Osten Westen gibt, die viel westlicher sind als der Westen. Ich kannte Stefan Heym, dank dessen Werk wir alle heute hier versammelt sind, nur kurz. Aber mit ihm und seinem dramatischen Leben verbindet mich gerade das, mein eigenes Schicksal, das sich in einem Spagat, einem west-östlichen, befindet.“

Der Preisträger Bora Ćosić in seiner Dankesrede

Bora Ćosić studierte Philosophie und arbeitete unter anderem als Redakteur verschiedener Literaturzeitschriften. 1992 verließ er Serbien, weil er nicht unter dem Regime Miloševićs leben wollte. Er ging nach Rovinj (Kroatien), dann nach Berlin. Bora Ćosić wurde 2002 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet, 2008 mit dem Albatros-Preis der Günter-Grass-Stiftung.

Die Preisverleihung erfolgte im Rahmen der ersten Stefan-Heym-Konferenz, die vom 1. bis 3. Juli 2011 in Chemnitz stattfand. Die Konferenz, die sich mit Leben und Werk Stefan Heyms befasst, wurde von der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft in Kooperation mit dem Kulturmanagement der Stadt Chemnitz im TIETZ organisiert.

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+ Preisträger 2008: Amos Oz

Die Stadt Chemnitz verlieh am 14. April 2008 erstmals den Internationalen Stefan-Heym-Preis in ehrendem Gedenken an Stefan Heym, den Sohn und Ehrenbürger der Stadt. Der erste Preisträger ist der israelische Schriftsteller und Publizist Amos Oz. Er nahm den mit 40.000 Euro dotierten Preis persönlich in Chemnitz entgegen.

Amoz Oz, Foto: Jerry Bauer, Suhrkamp Verlag
Amoz Oz, Foto: Jerry Bauer, Suhrkamp Verlag

Verliehen wurde der Stefan-Heym-Preis innerhalb eines Festaktes in der Chemnitzer Oper. Laudatorin ist die Verlegerin des Suhrkamp Verlages, Ulla Unseld-Berkéwicz. Der Botschafter des Staates Israel, Yoram Ben-Zeev, überbrachte ein Grußwort. Die Robert-Schumann-Philharmonie spielte mit Beethoven und Brahms die jeweiligen musikalischen Präferenzen von Stefan Heym und Amos Oz. Innerhalb des Festaktes hat sich Amos Oz in das Goldene Buch der Stadt Chemnitz eingetragen.

„Die Verbindung von Stefan Heym und Amos Oz ist eine ganz wunderbare und obendrein persönliche“, sagte die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, „daher sind wir froh und glücklich, dass wir den erstmals vergebenen Preis direkt an einen Autoren verleihen dürfen, der in besonderer Weise für die Idee der Auszeichnung steht.“

Amos Oz, Jahrgang 1939, ist Träger mehrerer renommierter Preise, unter anderem des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels (1992), des Israel-Preises (1998), des Goethepreises der Stadt Frankfurt (2005), des Corine-Ehrenpreises des Bayerischen Ministerpräsidenten (2006) und des Prinz-von-Asturien-Preises (2007).

Der Autor

Amos Oz, Jahrgang 1939, ist Träger mehrerer renommierter Preise, unter anderem des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels (1992), des Israel-Preises (1998), des Goethepreises der Stadt Frankfurt (2005), des Corine-Ehrenpreises des Bayerischen Ministerpräsidenten (2006) und des Prinz-von-Asturien- Preises (2007). Amos Oz hat mehr als 30 Bücher veröffentlicht, darunter Romane, Erzählungen und politische Essays. Die Werke erscheinen in 37 Sprachen.

Amos Oz verstorben
Der große israelische Autor Amos Oz ist am 28. Dezember 2018 im Alter von 79 Jahren verstorben. Über Jahrzehnte trat Oz für eine Friedenslösung zwischen Israel und den Palästinensern ein. Seine politische Präsenz und sein literarisches Œuvre wurden weltweit geachtet und mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt, darunter 1992 durch die Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, 1998 durch den »Israel Preis« für Literatur wie auch 2005 durch den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt.

Das Wirken des weltbekannten Schriftstellers wurde mit dem 2008 erstmals von der Stadt Chemnitz verliehenen Internationalen Stefan-Heym-Preis geehrt.  (Foto) »Ein Mann des starken Wortes, dessen Biografie mich tief berührt«, drückte Amos Oz die Bewunderung für Stefan Heym  aus. Unverkennbar sind die Parallelen in beiden Schriftsteller-Biografien: Vertreibung aufgrund jüdischer Herkunft, das kritische Auseinandersetzen mit Politik und gesellschaftlichen Konflikten, die Ambivalenz in der Betrachtung Deutschlands und in der Auseinandersetzung mit der Heimat.
Als Heimat betrachteten Heym wie Oz die Sprache, in der sie sich ausdrückten.

1939 als Amos Klausner in einer Gelehrtenfamilie in Jerusalem geboren, erlebte er die Gründung des Staates Israel mit. 1954 trat er in einen Kibbuz  ein, legte seinen europäischen Nachnamen ab und nannte sich Oz, was auf Hebräisch «Kraft» bedeutet. Erste Erzählungen veröffentlichte er bereits als Student. Inzwischen zählt das Lebenswerk von Amos Oz elf Romane, sechs Erzählbände, neun Essaybände und mehrere Kinderbücher.  

Stefan-Heym-Förderpreise

Verleihung am 5. November 2017

förderpreise

Die erstmals von der Stadt Chemnitz ausgelobten Stefan-Heym-Förderpreise wurden am 5. November 2017 in einer feierlichen Veranstaltung im Schauspielhaus von Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig an die Preisträger überreicht.

Über die Vergabe der Förderpreise hat das Kuratorium zur Vergabe des Internationalen Stefan-Heym-Preises der Stadt Chemnitz entschieden. Die Förderpreise werden zusätzlich zum mit 20.000 Euro dotierten Internationalen Stefan- Heym-Preis vergeben. Ziel war es, Projekte und Initiativen im Bereich von Wissenschaft und Forschung bzw. Nachlasspflege, für Stipendien oder zur Unterstützung von Projekten mit Schülerinnen und Schülern bzw. Studierenden zu vergeben, die sich in besonderer Weise mit Leben und/oder Werk Stefan Heyms beschäftigen. Hierfür standen ebenfalls insgesamt 20.000 Euro zur Verfügung.

Einen Antrag auf Förderung konnten alle natürlichen und juristischen Personen, Initiativen, Institutionen, private und öffentliche Einrichtungen und Vereine stellen. Die geförderten Maßnahmen sollen in der Zeit zwischen zwei Verleihungen des Internationalen Stefan-Heym-Preises realisiert werden.

 

Die Preisträger der Stefan-Heym-Förderpreise und die Vergabe-Begründung der Jury

+ Stefan-Heym-Wettbewerb für junge Literatur

Schulförderungsverein Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium , vertreten durch Schulleiter Ronald Langhoff (4.000 Euro)

Der Wettbewerb ermutigt junge Heranwachsende, ganz im Sinne Stefan Heyms seinem Beispiel zu folgen – zu schreiben. Die Jugendlichen setzen sich aktiv künstlerisch mit der sie umgebenden Realität auseinander. Die Zusammenfassung der besten Beiträge aller Austragungen des Wettbewerbs in einem Lyrikband erachtet das Kuratorium, auch angesichts des anstehenden 150. Jubiläums des Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasiums 2018, als sinnvolle Ehrung des langjährigen Engagements der Schüler, aber auch der Verantwortlichen des Projektes an der ehemaligen Schule Stefan Heyms.

+ Stefan Heym und die 800-Jahr-Feier in Karl-Marx-Stadt 1965. Eine Zeitreise mit dem Stefan-Heym-Förderpreis

Historiker Dr. Jürgen Nitsche (3.000 Euro)

Nach Einschätzung des Kuratoriums handelt es sich bei dem Projekt um ein noch nicht bearbeitetes Forschungsfeld. Es besteht nicht nur ein enger Bezug zum Leben Stefan Heyms und der Geschichte der Stadt Chemnitz, sondern es sind weitere Anknüpfungspunkte an das Leben Stefan Heyms, etwa dem Verhältnis zu Weggefährten in dieser Zeit, zu erwarten.

+ Archivreise nach Cambridge

Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft e. V., vertreten durch Prof. Dr. Bernadette Malinowski (2.600 Euro)

Das Kuratorium anerkennt das Potenzial einer Sondierungsreise in das Stefan-Heym-Archiv in Cambridge durch den Lehrstuhl für Neuere Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft als Quelle für wissenschaftliche Desiderate, aber auch als Auftakt der Etablierung eines Schwerpunktes der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Stefan Heym in einem Stefan-Heym-Forschungszentrum der Stadt Chemnitz.

+ "Heym-liche Welt" Wissenschaftspropädeutisches Seminar

Theresia-Gerhardinger-Gymnasium München, vertreten durch Elisabeth Neuhaus (2.500 Euro)

Die Auseinandersetzung von Schülerinnen des Mädchen-Gymnasiums aus München mit Stefan Heym im Rahmen eines Wissenschaftspropädeutischen Seminars und der Arbeitsbesuch in Chemnitz sind nach Meinung des Kuratoriums hervorragend geeignet, das Andenken Stefan Heyms an die junge Generation weiterzugeben und für die Schülerinnen eine Chance, aktiv Lehren aus dem Lebensweg Stefan Heyms zu ziehen.

+ "HEYMAT - HEIMAT, WAS IST DAS?"

Verein Kunstzone Schwarzenberg-Aue e. V., vertreten durch Jörg Beier (2.500 Euro)

Das Kuratorium würdigt und finanziert den Teil des Projekts, in dem sich Schülerinnen und Schüler mit dem Heimatbegriff innerhalb eines pädagogisch begleiteten Schulprojektes auseinandersetzen. Die Befassung mit dem Heimatbegriff erfolgt dabei unter Berücksichtigung des Lebens Stefan Heyms und erlaubt zugleich die Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen.

Insgesamt hat die Jury 14.600 Euro entsprechend der eingereichten Wettbewerbsbeiträge vergeben. Die Restsumme von 5.400 Euro zu den insgesamt 20.000 Euro hat sich die Jury für spätere Preisverleihungen aufgehoben.

Galerie

Porträt Stefan Heym

Ehrenbürger der Stadt Chemnitz Stefan Heym, Foto: Harry Härtel

Stefan Heym wurde am 10. April 1913 unter dem bürgerlichen Namen Helmut Flieg als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Chemnitz geboren.

Bereits als 18-jähriger Schüler des Staatsgymnasiums Hohe Straße setzte sich der von einer humanistischen Erziehung geprägte Helmut Flieg mit den gesellschaftlichen Widersprüchen in der Weimarer Republik auseinander.

Mit der Veröffentlichung eines Gedichtes in der Chemnitzer „Volksstimme“, in dem der deutsche Militarismus angeprangert wurde, trat er erstmals offen gesellschaftskritisch in Erscheinung. Die Relegation vom Gymnasium und ab 1933 nationalsozialistische Repressalien waren die Folgen. Zum Schutz der eigenen Person und aus Sorge um seine Familie vor dem antisemitistischen Nazi-Terror lebte er fortan unter dem Pseudonym Stefan Heym.

Dennoch wurde die Emigration nach Prag und später in die USA für ihn unvermeidbar. Nachdem er in Chicago sein Studium der Philosophie, Germanistik und Zeitungswissenschaften beendet hatte, begann er journalistisch als Chefredakteur der antifaschistischen Wochenzeitung „Deutsches Volksecho“ zu arbeiten. Mit dem Roman „Hostage“ begann er Mitte der dreißiger Jahre sein schriftstellerisches Lebenswerk.

Die Verachtung des Hitlerregimes und der Wille, aktiv zum Ende des 2. Weltkrieges beizutragen, führten Stefan Heym in die US-amerikanische Armee. Unmittelbar nach Kriegsende besuchte er als Soldat das zerbombte Chemnitz.

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Zu Beginn des Kalten Krieges nahm Stefan Heym eine kritische Haltung zur Politik der USA ein und wurde wegen „prokommunistischer Haltung“ aus der US-Army ausgeschlossen. Aus Protest gegen den Koreakrieg gab er der US-Regierung seine militärischen Auszeichnungen zurück.

Stefan Heym sah 1952 in der DDR, mit der er damals viele Hoffnungen verband, seine neue Heimat. Als Autor der zu Klassikern gewordenen Romane wie „Kreuzfahrer von heute“, „Der Fall Glasenapp“ oder „Die Augen der Vernunft“ fand er hier eine große Leserschaft und staatliche Anerkennung. So wurde sein literarisches Schaffen 1953 mit dem Heinrich-Mann-Preis, 1956 mit dem Literaturpreis des FDGB und dem Nationalpreis im Jahre 1959 gewürdigt.

Sich selbst als kritischen Marxisten bezeichnend, ließ er sich als international anerkannter Schriftsteller nicht von der SED-Führung vereinnahmen oder instrumentalisieren. Vielmehr setzte er sich ab Mitte der 50er Jahre zunehmend kritisch mit der Entwicklung in der DDR auseinander. Sein offener Umgang mit gesellschaftlichen Problemen führte immer wieder zu Kontroversen mit der DDR-Führung. Andererseits gelangte Heym durch seinen brillanten Stil und die von ihm aufgegriffenen Themen zu einer großen Popularität. In Romanen wie „Lasalle“ oder „Der König David Bericht“ bediente sich Stefan Heym des historischen Romans, um aktuelle Themen aus einer Perspektive darzustellen, die nicht den offiziellen SED-Richtlinien entsprach. Nicht selten konnten auch die deutschsprachigen Ausgaben einiger Werke bis zum Jahre 1989 nur in der Bundesrepublik Deutschland verlegt werden.

Typische Beispiele dafür sind die Romane „Collin“ und „Schwarzenberg“, die 1979 und 1984 bei Bertelsmann erschienen waren, aber erst 1990 in der DDR verlegt werden konnten.

Stefan Heym machte niemals einen Hehl aus seiner Ablehnung des in der DDR praktizierten „real existierenden Sozialismus“. Die Unterzeichnung der Protesterklärung gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns führte zu seinem Ausschluss aus dem Schriftstellerverband der DDR. Zunehmend reglementiert und lediglich noch geduldet setzte Stefan Heym seine schriftstelleriche Arbeit unvermindert fort.

Über die westdeutschen Medien setzte er sich weiter mit den gesellschaftlichen Verhältnissen der DDR auseinander, die er trotz aller Unzulänglichkeiten und durchlebten Schwierigkeiten weiterhin als seine Heimat betrachtete.

Im Herbst 1989 gehörte Stefan Heym zu den herausragenden Persönlichkeiten der friedlichen Revolution in der DDR. Obwohl er bereits zu Beginn der 80er Jahre zu den wenigen Prominenten in beiden deutschen Staaten zählte, die die Wiederherstellung der deutschen Einheit prophezeiten, begleitete er den sich dann vollziehenden Vereinigungsprozess nach 1990 konstruktiv und kritisch.

So machte er als Alterspräsident des 13. Deutschen Bundestages in seiner Eröffnungsrede 1994 auf Fehlentwicklungen während des Wiedervereinigungsprozesses aufmerksam und verwies zugleich auf die großen historischen Chancen für Demokratie und soziale Gerechtigkeit im vereinigten Deutschland.

Der Querdenker Stefan Heym bekannte sich während seines ganzen Lebens zu seiner von Humanismus und sozialer Gerechtigkeit geprägten Weltanschauung. Dabei ging es ihm nie vordergründig um die Verfechtung von Ideologien. Vielmehr hat er sich mit seinen Gesellschaftskritiken als charismatischer Praktiker in die Diskussionen eingebracht.

Im Verlaufe von über sieben Jahrzehnten setzte er sich nicht nur in seinen literarischen Werken mit den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen, in denen er lebte, auseinander. Beeindruckend war dabei stets seine Zivilcourage aber auch sein konstruktives Engagement bei der Suche nach einer modernen und zukunftsfähigen Gesellschaftsform. Mit seiner zumeist schonungslos offenen und nicht selten unbequemen Art stieß er immer wieder an Grenzen, die ihm von den Regierenden aufgezeigt wurden. Doch weder der deutsche Nationalsozialismus, noch die USA in der Mc Carthy-Zeit und auch nicht das SED-Herrschaftssystem der DDR konnten Stefan Heym in seinem Streben nach Demokratie und Gerechtigkeit aufhalten.

Mit der Übertragung der Ehrenbürgerwürde an Stefan Heym ehrte die Stadt Chemnitz am 2. Oktober 2001 eine international geachtete Persönlichkeit, die hier in Chemnitz geboren und aufgewachsen ist. Mit seinem umfassenden Lebenswerk gehört Stefan Heym zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts.

Stefan Heym starb am 16. Dezember 2001 in Israel.

Die Stadt Chemnitz wird Stefan Heym stets in Ehren gedenken.

INTERNATIONALE STEFAN-HEYM GESELLSCHAFT E. V.

Die Stadt Chemnitz fühlt sich dem Andenken an Stefan Heym und seinem Werk verpflichtet. Der Nachlass von Stefan Heym befindet sich im Stefan-Heym-Archiv an der Universität Cambridge. Ursprünglich war die Gründung der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft in Cambridge vorgesehen. Auf Grund der würdevollen Ehrung von Stefan Heym durch die Stadt Chemnitz wurde im Rahmen der Preisverleihung der Gedanke an die Stadt Chemnitz herangetragen, die Gründung der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft in Chemnitz zu vollziehen und ihren dauerhaften Sitz in der Stadt zu konstituieren.

Am 18. April 2009 wurde die Internationale Stefan-Heym-Gesellschaft im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Rathaus der Stadt Chemnitz gegründet. Zu Gast waren Partner aus Cambridge und Inge Heym, die Witwe des Schriftstellers. An diesem Tag traten bereits 45 interessierte Privatpersonen und Einrichtungen der Gesellschaft bei.

Die Gesellschaft hat zum Ziel, das literarische Leben zu fördern. Sie soll sich vor allem dem Studium und der Verbreitung der Werke Heyms sowie der Pflege seines publizistischen Nachlasses und der Erinnerung an sein Leben widmen. Dabei soll die Gesellschaft aller an seinem Werk Interessierter zur Zusammenarbeit und zum Aufbau internationaler Beziehungen dienen. Die Stefan-Heym-Gesellschaft kooperiert deshalb mit dem Stefan-Heym-Archiv der Universitätsbibliothek Cambridge. Es soll angeregt werden zur Forschung aber auch zur öffentlichen Auseinandersetzung mit den Werken und dem Schaffen Heyms. Die Gesellschaft wird öffentliche Lesungen, Vorträge, wissenschaftliche Kolloquien, Ausstellungen sowie Publikationen anbieten.

Die Gesellschaft wurde als Verein gegründet. Sie ist im Vereinsregister beim Amtsgericht Chemnitz eingetragen. Die Gesellschaft wird ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke verfolgen.

Presse

Die Pressestelle der Stadt Chemnitz ist Ansprechpartner für Medienvertreter, veröffentlicht Pressemitteilungen, verantwortet den Internetauftritt www.stefan-heym-preis.de und ist Ansprechpartner für städtische Publikationen zum Internationalen Stefan-Heym-Preis. 

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Pressemitteilungen

12. November 2019

Internationaler Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz geht 2020 an die Publizisten und Schriftsteller Slavenka Drakulić und Richard Swartz

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11. Dezember 2018

Stefan-und-Inge-Heym-Arbeitsbibliothek soll nach Chemnitz kommen

+ mehr

5. November 2017

Stefan-Heym-Förderpreise werden verliehen

+ mehr

4. April 2017

Internationaler Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz 2017
an Joanna Bator verliehen

+ mehr

1. Februar 2017

Bewerbungsfrist für Stefan-Heym-Förderpreise verlängert
Einreichungen bis 30. Juni 2017 möglich

+ mehr

18. Oktober 2016

Internationaler Stefan-Heym-Preis der Stadt Chemnitz geht im Jahr 2017 an die polnische Autorin Joanna Bator
Die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung wird im April kommenden Jahres verliehen

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18. Oktober 2016

Stadt Chemnitz lobt Stefan-Heym-Förderpreise aus
Zusätzliche Förderung von Projekten und Initiativen im Wert von 20.000 Euro

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